[REVIEW] Josh Bazell: Einmal durch die Hölle und zurück

Samstag, 12. November 2011

Titel: Einmal durch die Hölle und zurück
Autor/in: Josh Bazell
Erscheinungsjahr: 2011
Originaltitel: Wild Thing
Verlag: Fischer
Preis: 18,95€
Seiten: 411
Notes: Teil 2 der Reihe um Doc Mafia Pietro Brwna.





Ein Arzt, der früher Auftragskiller war.
Eine sexy Paläontologin.
Eine mysteriöse Expedition.
Und ein Kracher von einem Roman.
 
Nach seinem Abenteuer in Manhattans härtestem Krankenhaus als Dr. Peter Brown, übt Pietro Brwna, ehemaliger Top-Killer der Mafia im Zeugenschutzprogramm jetzt unter dem Namen Dr. Lionel Azimuth seine schon recht fragwürdigen Behandlungspraktiken auf einem Kreuzfahrtschiff aus. Er zieht ohne Narkose Zähne, pfeift sich den Bestand der Krankenstation des Schiffes rein, trinkt und langweilt sich fast zu Tode.

Oder zumindest tut er das so lange, bis ein Milliardär ihn über seinen einstigen Lehrer Professor Marmoset, darum bittet, einen recht ungewöhnlichen Auftrag anzunehmen. Er soll mit Dr. Violet Hurst, der ganz persönlichen Paläontologin des Milliardärs, überprüfen, ob es im White Lake, einem entlegenen See wirklich ein Monster gibt. Und das alles nur, weil Rec Bill, wie Pietro und Violet ihn im Laufe der Geschichte nennen, wohl um zu verdeutlichen, dass es sich bei dieser Person um eine Originalvorlage handelt, nicht mehr lange zu leben hat – was Fachmann Pietro natürlich sofort sieht. (Rec Bill = reclusive billionaire, also einsiedlerischer Milliardär)

Aber noch ehe die beiden sich dem White Lake auch nur ansatzweise genähert haben, knallt’s – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn mit Pietros ganz klar unfehlbarem Glück stolpern er und Violet natürlich sofort in das einzige Restaurant/Drogenlabor vor Ort, wo es selbstverständlich sofort zu Auseinandersetzungen kommt. Als Pietro auch noch einen Jungen rettet, der im Hinterhof des Drogenrestaurants fast zu Tode geprügelt wird und dabei gekonnt vergisst, dass mehr als ein Dutzend unberechenbarer Teenager dabei mir ihrer Knarre auf ihn zielen, kommt die Geschichte erst richtig in Fahrt.

Denn als sie den Jungen beim örtlichen Arzt abladen, erfahren sie, dass der Sohn der Besitzerin des Restaurants vor einiger Zeit im White Lake zu Tode kam – bei einem Bootsunfall wie es heißt. Als Violet daraufhin loszieht, um in einer Bar etwas zu trinken, erfährt sie, dass vor jenem Bootsunfall, bei dem auch ein anderes Mädchen starb, geplant wurde, mit einer Geschichte um ein Seeungeheuer in White Lake wieder Besucher in das kleine Örtchen zu locken. Bis irgendjemand die drei Männer erschoss, die Hauptplaner dieser Aktion galten – darunter auch der Vater des Mädchens, das im White Lake starb.

Als Violet und Pietro schließlich am Treffpunkt ankommen und dort auf die anderen Teilnehmer der fragwürdigen Expedition stoßen, wird alles noch unwirtlicher. Vor allem, als ein Privatdetektiv Violet und Pietro überwacht und dabei – Pech für ihn – von Pietro erwischt wird. Als dann auch noch die versprochene unparteiische Richterin eintrifft, die bei dem Spektakel beurteilen soll, ob das Monster real ist oder nicht, kann es Pietro nicht glauben. Ausgerechnet Sarah Palin soll beurteilen, was wahr und was falsch ist!

Kurz darauf bricht die Gruppe zum White Lake auf, wobei Pietro seine Angst vor Haien wieder in den Sinn kommt. Haie, die einst den Bruder seiner großen Liebe Magdalena vor den Augen der beiden in Stücke rissen und die eine ganze lange Nacht lang versuchte, auch ihn und Magdalena zu erwischen. Denn was sonst soll im White Lake sein Unwesen treiben? Mit ausgegorenen Killern, wahren Monster ist Pietro in der Vergangenheit bestens fertig geworden. Aber müssen es jetzt wirklich Haie sein …?

Es kam mir wie ein wahre Ewigkeit vor, bis ich nun endlich auch den zweiten Teil der Doc Mafia-Reihe in die Finger bekommen konnte. Und das, obwohl es nur knapp neun Monate waren. Neun lange Monate, oh ja. Na, jedenfalls bin ich gerade mit dem Lesen fertig geworden und muss sagen: I’m undecided. Zum einen bin ich echt enttäuscht und zum anderen bin ich geflasht.

Enttäuscht bin ich, weil ich sechsundfünfzig Seiten als Anhang nun wirklich beschissen finde, wo ich auf diesen Seiten so viel lieber mehr über Petro gelesen hätte. Ich meine – hallo? Vielleicht dachte Josh Bazell, er müsste sich selbst irgendetwas beweisen, indem er einen derart politisch motivierten Anhang von solcher Länge vom Stapel lässt. Aber als Leser ist das ja schon … scheiße.

Geflasht, richtig begeistert hingegen bin ich – wieder einmal – von Pietro. Er war ja – das muss ich wirklich zugeben – bereits seit Schneller als der Tod fester Bestandteil meiner Wish You Were Real-Liste. Im zweiten Abenteuer hingegen wirkt er erstmals richtig erwachsen und selbstsicherer, was seine Fähigkeiten als Arzt angehen. Außerdem wäre noch der typische Doc Mafia-Charme, der auch hier wieder voll zuschlägt.

Da das nun also geklärt wäre, lässt sich wohl auch mein Endresümee nachvollziehen. Keine volle Punktzahl, wegen des mehr als ausufernden Anhangs und aufgrund gewisser Stirnrunzel- beziehungsweise What the fuck?!-Momente. Allerdings verdiente vier Welten, weil wir hier eben von Doc Mafia reden, verdammt noch mal!


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