[REVIEW] John Niven - Gott bewahre

Sonntag, 25. September 2011

Erscheinungsjahr: 2011
Originaltitel: The Second Coming
Verlag: Heyne Hardcore
Preis: 19,99€
Seiten: 400
Notes: Irgendwie als Folgebuch von Kill Your Friends zu verstehen. Ja, irgendwie.
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Kaum hat Er sich im Himmel einmal eine kleine Auszeit gegönnt und Seinem Sohn Jesus Christus die Geschäftsführung überlassen, schon herrscht auf Erden das nackte Chaos. Bürgerkriege, Umweltzerstörung, Armut, Hassprediger, tödliche Krankheiten, moralischer Verfall und gnadenloser Kommerz, soweit das Auge reicht. Was wurde aus der Menschenliebe und dem einzig wahren Gebot: SEID LIEB? Gott denkt nach und findet nur eine Lösung – Sein Sohn Jesus muss erneut auf die Erde zurückkehren, um Gutes zu tun.
Doch werden die Menschen auf JC hören?

Da begibt sich Gott ein einziges Mal auf einen fünftägigen Angelurlaub und schon machen die Menschen, was sie wollen. Denn während im Himmel ein Tag vergeht, vergehen auf der Erde Jahrzehnte. Kein großes Wunder also, dass Er stinksauer ist, als Er zurückkommt und herausfindet, was für einen Bockmist die Menschen während seiner Abwesenheit verzapft haben. Atomwaffen, die Zeugen Jehovas, Nationalsozialismus, AIDS und so weiter.

Nach kurzem Überlegen fällt Ihm für die Lösung aller Probleme nur einer ein: Jesus. Sein Sohnemann, der auch schon „vor einem Monat“ auf der Erde aufgeräumt hat. JC, wie ihn seine Freunde nennen, lässt sich also breitschlagen und gibt sich auf Erden die zweite Ehre. Kaum angekommen, versucht er sich mit zwei Kumpels – Chris und Morgan – an einer Band – mit fragwürdigem Erfolg. So kommt es, dass er nach ein paar Jahren seine Botschaft nur im Kleinen verbreiten kann.

Indem er den Menschen auf der Straße bei der Nahrungsbeschaffung hilft, Süchtigen beim Entzug beisteht und dabei von seinen Kumpels unterstützt wird, lebt er sein Leben. Zumindest so lange, bis Chris ihn zur Teilnahme an einer Castingshow überredet, indem er behauptet, dass Jesus so das Publikum bekommen würde, dass er sich immer gewünscht hat. Die Möglichkeit, der Welt zu sagen, dass sie aufhören soll mit dem Scheiß. Immerhin hat sich Moses damals nur aufgespielt mit seinen zehn Geboten. Hat Gott ihm damals doch nur ein einziges Gebot gegeben: Seid lieb.

Wie nicht anders zu erwarten, schafft es JC in die Castingshow – allerdings als Mitglied der Spinnergruppe, die es in jeder derartigen Show gibt, was nicht zuletzt daran liegt, dass er keinen Hehl daraus macht, dass er Gottes Sohn ist. Schon bald jedoch, gibt es gewaltigen Ärger mit Steven Stelfox, dem britischen Chef-Juror der amerikanischen Castingshow. Der nämlich kann Jesus nicht leiden. So gar nicht. Doch dann rückt das Finale näher und das Drama nimmt seinen Lauf …

Zugegeben, ein Fan von John Niven bin ich ja jetzt schon eine ganze Weile. Nach Kill Your Friends und Coma jedoch, ist Gott bewahre so ziemlich eines der genialsten Bücher, das ich je gelesen habe. Eigentlich glaube ich ja nicht an Gott, aber mir den alten Herren da oben im Himmel als einen gechillten Knaben vorzustellen, der „Schwuchteln liebt“, um es mit Nivens Worten zu sagen, und zudem auch ganz gerne mal Gras raucht – nun, das könnte ich mir dann schon vorstellen.

Erstmals ist Jesus sympathisch und Gott nicht mehr unnahbar. Zudem rechnet Niven hier mehr oder weniger mit Mr. Steven Stelfox ab, der in Kill Your Friends nichts anderes als ein mörderisches, unberechenbares, geldgeiles Arschloch war. Lachen, schmunzeln, kichern … und am Ende weinen. Das ist Gott bewahre. Und das ist nichts anderes als genial.


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