[Book vs. Movie] "Warm Bodies" von Isaac Marion

Samstag, 2. März 2013

Nachdem ich im vorletzten Monat erst Isaac Marion's Warm Bodies gelesen habe, war natürlich klar, dass ich mir auch den Film im Kino ansehen würde - schließlich gefiel mir das Buch ganz außerordentlich gut. Ursprünglich wollte ich mir selbst ja treu bleiben und mir den Film im Original anschauen - wozu wohnt man denn auch sonst in einem Ballungsgebiet der US-Amerikaner? Doch leider habe ich wohl zu lange getrödelt und so musste die deutsche Version des Filmes ausreichen - obwohl mich sowas ja inzwischen ziemlich graust.

So habe ich mich gestern Abend also mit meiner lieben Freundin Michelle, die auch schon bei Bis(s) zum Ende der Nacht, Teil 2 mit dabei war - hier übrigens der dazugehörige Book vs. Movie-Post - auf ins Kino gemacht. Dazu sollte noch gesagt sein, dass wir hier nicht gerade eine große Auswahl an Kinos vor Ort haben. Im Grunde sind es nur drei. Eins, in dem wöchentlich nur ein - nicht aktueller - Film läuft, dann die UCI Kinowelt, die für Busfahrer wie mich völlig unmöglich zu erreichen ist, sobald es mal nach 16 Uhr nachmittags ist - ja und dann noch jenes Kino, in dem wir gestern Abend waren.

Das allerdings ist nur als klein zu bezeichnen. Fünf Kinosäle, von denen nur einer, der im Keller, recht groß ist. Und natürlich lief unsere Vorstellung gestern in einem der zwei kleinsten Säle, war ja klar. Dazu kam, dass kaum Besucher da waren und die Leinwand nicht die Größte ist. Tja, nimmt man dann noch dazu, dass es mir im Verlauf der Vorstellung richtig mies zu gehen begann, habe ich wohl nicht 100% des Films gesehen. Dennoch denke ich, dass das, was ich gesehen habe, reichen wird. Obgleich ich mich ja immer noch darüber ärgere, dass ich mir die deutsche Version ansehen musste ... Aber nun gut, lassen wir das und legen wir los!


DIE STORY
Eine mysteriöse Seuche hat die Menschheit befallen und diejenigen, die damit infiziert sind, in lebende Untote verwandelt, deren Biss einen jeden überlebenden Menschen in einen von ihnen verwandelt. Und natürlich beißen die Zombies nur zu gerne - schließlich sind die Menschen ihre Nahrungsquelle. Einer dieser Zombies ist R - seines Zeichens tagein tagaus am Grübeln. Denn Reden funktioniert nicht mehr so gut, wenn du verwest und damit auch deine Stimmbänder allmählich verfallen.

Wie viele andere Zombies, schlurft auch er Tag für Tag durch ein altes Flughafengebäude und "wohnt" mehr oder weniger in einem verlassenen Jet, in dem er Besitztümer der Menschen hortet, quasi als Ersatz für die Erinnerungen, die er nicht mehr hat. Als er nun eines Tages wieder einmal auf der Jagd mit seinen Mitzombies ist, tötet er einen Jungen, der ein Mädchen beschützen will und futtert sein Gehirn - der sicherste Weg, um keinen weiteren Zombie zu schaffen und zudem auch noch die einzige Möglichkeit, wieder Erinnerungen und Gefühle zu haben, wenn es auch nicht die eigenen sind.

Und kaum hat er den ersten Bissen getan, weiß er auch, wer das blonde Mädchen ist, das sein Opfer - im Übrigen ein junger Mann namens Perry - beschützen wollte. Es ist die Freundin von Perry - Julie. Und weil Perrys Gefühle und Erinnerungen Julie gegenüber so stark waren, beeinflussen sie auch R, der den intensiven Drang verspürt, Julie zu beschützen. Also schmiert er ihr ein wenig seines eigenen, gammligen Blutes ins Gesicht, um ihren Geruch zu überdecken und nimmt sie mit nachhause in den Flughafen. Eine Tat, die Folgen hat, denn ohne es zu ahnen, setzen Julie und R eine Veränderung in Gang, als sie einander nach und nach kennen lernen, die alles verändern wird ...


DAS BUCH
Isaac Marions Art zu schreiben ist gleichermaßen urkomisch, wie sie auch sehr nachdenklich stimmt. Bei mir hat es nur zwei Sätze gebraucht, um R richtig ins Herz zu schließen - und das waren auch noch die allerersten. "I'm dead, but it's not so bad. I've learned to live with it." ("Ich bin tot, aber das ist gar nicht so schlimm. Ich hab gelernt, damit zu leben.") Denn genau so verläuft im Grunde das ganze Buch. Es ist nicht so, dass R sich jetzt übermäßig selbst hasst, weil er ist, was er ist - wie das ja inzwischen bei jedem Werwolf, Vampir und auch Zombie förmlich erwartet ist. Er kann es einfach nicht ändern und das weiß R eben auch.

Dazu kommt Julie, die so ganz anders ist als jede YA-Romanheldin, der ich je begenet bin. Sie trauert um ihren toten Freund Perry, erniedrigt sich aber nicht zu mehr als dieser Trauer. Außerdem vertraut sie R schon recht bald, weil sie weiß, dass er inmitten all der Zombies auf dem Flughafengelände ihre einzige Hoffnung ist. Sie gibt ihm also eine Chance, ganz ohne herumzuschreien, einen Heulanfall zu bekommen oder ab dem Zeitpunkt, da er ihr gesagt hat, dass er sie beschützen will, noch einmal zu versuchen, ihn umzubringen.

Mir gefiel Rs Gedankenwelt und die Tatsache, dass er nicht perfekt ist und das sehr gut weiß. Er bereut Dinge, kann sie, Zombie, der er ist, zumeist aber auch nicht verändern. Am absolut meisten, wie ich finde, sagt aber diese außergewöhnliche Beziehung zu seinen "Adoptivkindern" über ihn aus. Obwohl alle anderen Zombiekinder immer nur das Töten von Menschen beigebracht kriegen und austauschbar sind, unterscheidet er sich da deutlich von den anderen. Er nimmt sie bei seinen Fahrstunden mit, macht ihnen klar, dass sie Julie nicht verspeisen sollen und denkt auch nach Verlassen des Flughafens an sie. Das wiederum macht ihn vermutlich menschlicher als manchen richtigen Menschen.


DER FILM
Kaum, dass ich das Buch gelesen hatte, habe ich - verständlicherweise - den Trailer des Films mit anderen Augen gesehen. Ich habe mich gefragt, wo Rs weißes Hemd, die Anzughose und vor allem die rote Krawatte hingekommen sind. Und wieso ist sein bester Freund M so bartlos? Natürlich war ich da ein wenig zwiegespalten, als ich mir den Film angesehen habe - nicht zuletzt auch deshalb, weil ich nicht unbedingt sagen kann, ein großer Fan von Nicholas Hoult zu sein. Ich finde ja, es gibt bei dieser ganzen Dunkle-Haare-blaue-Augen-Geschichte einen recht schmalen Grad, der einen Menschen extrem attraktiv macht oder eben nicht. Bei Mr. Hoult habe ich da eher zu letzterem tendiert. Und nicht zu vergessen - selbst unter den Zombies gilt Marion's R als gut aussehend ...

Nachdem ich den Film gesehen hatte, war es mir allerdings egal, dass R ganz offensichtlich nicht Ende zwanzig, anfang dreißig war, dass er nicht angezogen war wie ein Manager, wie im Buch. Denn ganz ehrlich - Nicholas Hoult's Version von R gefiel mir wahnsinnig gut. Auch wenn Buch und Film sich in einigen Stellen wirklich weit voneinander entfernen - beispielsweise ganz am Ende - hatte ich immer das Gefühl, dass Marion's R genau das gesagt hätte, was der Film-R sagte, wäre das Buch anders verlaufen. So fand ich es auch kaum schlimm, dass Rs "Kinder" nur ganz am Rande zu sehen waren.

Weniger gut fand ich hingegen Teresa Palmers Darstellung der Julie Grigio. Im Buch ist Julie einfach stark, im Film hingegen wirkte sie einfach nur verzweifelt - zumindest am Anfang des Films. Ihr fehlte dieser unbedingte Wille, zu glauben, dass R anders ist und dass es doch noch Hoffnung für die Menschheit gibt. Außerdem wirkte dadurch ihre Beziehung zu R irgendwie einseitig und R kam irgendwie fast schon als Stalker rüber. Oder wie ein Schoßhündchen, das ihr hinterherläuft. Gut war jedoch, dass man sich am Anfang des Films viel Zeit für Julie und R im Flugzeug genommen hat - genau wie im Buch, wobei mir Nur-Kinogänger sicher nicht zustimmen.

Absolute Pluspunkte sammelte der Film dann damit, dass bestimmte Szenen, die im Buch wirklich wichtig waren, vorhanden waren. Vielleicht nicht an gleicher Stelle wie im Buch - aber sie waren da. Und hin und wieder hörte man auch Originaltext, so fern ich das beurteilen kann, habe ich das Buch doch auf Englisch gelesen. Besagte Szenen haben mir hin und wieder doch ein Lächeln entlockt, auch wenn es mir nicht gerade gut ging. Und - das muss jetzt einfach gesagt sein - meine Lieblingsszene war die, in der R mit Julie aus dem Fenster springt und ihr vorher verspricht, sie zu beschützen. So ähnlich war die Szene im Buch nämlich auch, auch wenn danach alles ein wenig anders war. Mir gefiel sie wirklich gut, weil R zwar ein Zombie ist, aber auch weiß, dass er bei dem Sturz dennoch sterben könnte - aber er tut es trotzdem und schützt Julie mit seinem eigenen Körper vor dem sicheren Tod.

Die übrigen Darstellungen von John Malkovich als Julies Vater und Rob Corddry als M fand ich sehr passend. Obgleich letzterer so ganz anders aussah im Buch, mochte ich ihn wirklich, wirklich gerne. Und Boneys umfahren kann er auch ganz toll. Die Besetzungen von Nora und Perry gefielen mir ebenfalls. Wenngleich auch Nora ganz anders aussah als im Buch. Dennoch - passend. Außerdem gefiel mir die Musik des Films ausgesprochen gut, wenngleich man bei manchem Song mal gern mit den Augen rollte. Es passte einfach. Zu guter Letzt muss ich noch schnell loben, dass man die nette kleine Geschichte, dass R immer mal wieder von Perrys Gehirn nascht, im Film behalten hat. Denn ganz ehrlich - ohne diese Sache wäre der Film ganz anders als das Buch.


RESÜMEE
Dem Leser das Buch, dem Filmlieberhaber den Film. So würde ich es jedenfalls handhaben. Das Buch ist wirklich mal was ganz Anderes und noch dazu großartig geschrieben. Der Film basiert wirklich auf dem Buch und wurde nicht nur davon inspiriert - wie das neuerdings leider bei so vielen Buchverfilmungen der Fall ist. Zudem lernt man R und seine interessanten Gedanken sowohl durch das Buch als auch den Film kennen - denn beides ist 100%ig R.

Allerdings sei noch hinzugefügt, dass, obgleich Buch und Film bei mir relativ gleich auf sind, ich dann doch die englische Originalfassung des Films vorziehe. Nicholas Hoults Stimme ist gut zu verstehen und im Grunde auch recht angenehm - so weit ich das bisher beurteilen kann. Und daher: das Buch im Original lesen und den Film im Original sehen und schon ist jeder glücklich - ganz egal ob Leser oder Filmliebhaber. :)

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