[Book vs. Movie] "Wasser für die Elefanten" von Sara Gruen

Sonntag, 3. Juni 2012


Nachdem in den vergangenen Jahren so unglaublich viele Bücher verfilmt wurden, gefiel mir die Idee auf Anhieb, die Filmversionen den Originalbüchern gegenüberzustellen und zu erörtern, was nun besser ist – Buch oder Film. Nun also viel Spaß mit meiner ersten Gegenüberstellung – Sara Gruen’s „Wasser für die Elefanten“.

DIE STORY
Jacob Jankowski ist neunzig. Oder dreiundneunzig. So genau weiß er das selbst nicht mehr. Er lebt in einem Altersheim und erinnert sich daran, wie sich sein Leben damals Anfang der 30er Jahre von einer Minute auf die andere völlig veränderte. Nach dem plötzlichen Unfalltod seiner Eltern stand er damals vor den Trümmern seines Lebens – und das mit gerade einmal dreiundzwanzig Jahren. 

Denn um sein Veterinärmedizinstudium bezahlen zu können, hatten seine Eltern eine Hypothek auf ihr Haus aufgenommen – und damit auch auf die darin befindliche Praxis. Und obwohl der sein Examen noch schaffen könnte, da das Studium ja bereits bezahlt ist, machte er sich Hals über Kopf auf den Weg, weg von zuhause, weg von seiner Uni in Ithaca. Doch anders als die anderen Arbeitsuchenden zu der Zeit, hatte Jacob das Glück, dass ein Zirkuszug seinen Weg kreuzte und er aus Verzweiflung darauf aufsprang. 

So kam er also zu Benzinis spektakulärster Show der Welt und mit ihm auch zu dem völlig Wahnsinnigen Stallmeister August Rosenbluth und seiner wunderschönen jungen Frau Marlena. Schon vom ersten Augenblick an verliebt sich Jacob in die junge Frau und ahnt dabei nicht, dass er damit eine Lawine ins Rollen bringt, die nicht nur sein eigenes Leben zerstören könnte – denn August ist mehr als nur ein wenig verrückt …

DAS BUCH
Von der ersten Seite an hat mich Sara Gruens Schreibstil buchstäblich gefesselt. Sie hat eine ganz und gar einzigartige Art und Weise, beispielsweise das Altern zu beschreiben, die einen einerseits lächeln, aber auch traurig werden lässt. Zudem ist Jacob mir in einem Maße sympathisch, wie ich es bisher bei einem fiktiven Buchcharakter noch nicht erlebt habe. 

Er hat einfach diesen Wesenszug, der es ihm erlaubt, seine Arbeit als Veterinär mit dem Herzen zu tun oder auch Marlena selbst aus der Ferne zu beschützen, obgleich sie August nicht verlässt und er daher im Grunde gar nichts für sie tun kann. Er braucht nicht viele Worte, damit man genau erfasst, wie sehr er Rosie, die Elefantendame liebt. Damit klar wird, dass er für Marlena alles tun würde. 

Und dass es ihn auch noch mit über neunzig wie am ersten Tag schmerzt, dass seine Marlena schon so früh gestorben ist. Ein wirklich großartiges Buch, das einen ebenso sehr zum Nachdenken animiert, wie es auch dazu anregt, diese Geschichte wieder und wieder zu lesen.

DER FILM
Während das Buch sich zunächst einmal mit dem dramatischen Ende der Geschichte des dreiundzwanzigjährigen Jacob befasst, startet der Film direkt mit einem dreiundneunzigjährigen Jacob Jankowski, der seine abenteuerliche Zirkusgeschichte mitten in der Depressionszeit der 30er Jahre dem Besitzer eines Zirkus‘ erzählt, der gerade in der Stadt ist. 

Als er zu erzählen beginnt, nimmt Jacobs Stimme – erst die des alten, dann die des jungen – einen sofort mit in die 30er Jahre und damit in eine Zeit, in der Jacobs Leben noch in geregelten Bahnen lief. 

Zwar erwartungsgemäß tragisch, aber dennoch harmonisch entwickelt sich die Geschichte … bis Marlena auf der Bildfläche erscheint. Denn ganz anders im Buch ist Marlena nicht nur äußerlich vollkommen anders anzusehen, nein, sie hat auch nichts von der Unbedarftheit und fast schon Unschuld im Buch. 

Und sie ist zu alt. Ja, das muss ich leider sagen. Vollkommen egal, dass Marlena eigentlich dunkelhaarig ist – Jacob hat immerhin im Buch auch rotblondes Haar –, ist es doch offenkundig, dass sie im Film viel älter ist als Jacob. 

Obgleich sie laut Buch sogar gleich alt sind. Aus diesem Grund hat man im weiteren Verlauf des Films immer das Gefühl, dass sie sich über ihn stellt, was im Buch kein einziges Mal der Fall ist. Das größte Manko überhaupt am Film, wie ich finde. Denn Christoph Waltz ist Augusts Wahnsinn vollauf gewachsen, Robert Pattinson als junger Jacob Jankowski macht sich gut und auch Hal Halbrook als alter Jacob passt prima ins Bild.

RESÜMEE
Vermutlich wäre meine Entscheidung knapper ausgefallen, wenn Marlena mit Reese Witherspoon leider nicht so fehlbesetzt gewesen wäre. So allerdings ist meine Wahl – und damit meine Empfehlung an euch – ganz und gar eindeutig auf das Buch gefallen, das, wie ich finde, jeder gelesen haben sollte. Denn es ist wirklich, wirklich, wirklich gut. :)

MEIN TIPP
Wenn ihr euch doch für den Film entscheiden solltet – ist immerhin nicht jedermanns Sache, das mit dem Lesen – und der englischen Sprache halbwegs mächtig seid, dann solltet ihr euch den Film unbedingt im Original, also auf Englisch ansehen. 

Mir ging es nämlich so, dass ich die deutsche Synchronisation von Robert Pattinson in der Rolle des jungen Jacob einfach furchtbar fand und dass es mir dadurch gar nicht richtig gelang, mich so richtig auf die Geschichte einzulassen – insbesondere ganz am Anfang, als der alte Jacob zu erzählen beginnt und die Stimmen ineinander übergehen. Also – schön auf Englisch gucken, dann klappt’s auch mit dem Eintauchen in diese großartige Geschichte. :)

Kommentare:

  1. finde das Buch auch definitiv besser <3

    http://stil-houette.blogspot.com/

    AntwortenLöschen
  2. Hab das Buch jetzt gerade gelesen und spiele noch mit dem Gedanken, mir den Film anzuschauen. Allerdings bist du nicht die erste, von der ich höre, dass der Film nicht mit dem Buch mithalten kann. Aber das ist ja meistens so.

    LG Michaela

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...